Ältester Briefmarkensammlerverein Deutschlands

Macht nach Adam Riese ...

Bei Wikipedia /1/ findet man: Adam Ries (oft auch Adam Riese; * 1492 oder 1493 in Staffelstein, Fürstbistum Bamberg; † 30. März oder 2. April 1559 vermutlich in Annaberg oder Wiesa) war ein deutscher Rechenmeister. Bekannt wurde er durch sein Lehrbuch „Rechnung auff der Linihen und Federn [...]“, das bis ins 17. Jahrhundert mindestens 120-mal aufgelegt wurde. Bemerkenswert ist, dass Adam Ries seine Werke nicht – wie damals üblich – in lateinischer, sondern in deutscher Sprache schrieb. Dadurch erreichte er einen großen Leserkreis und konnte darüber hinaus auch zur Vereinheitlichung der deutschen Sprache beitragen. 

 

Abbildung 1: FDC, Bund MiNr. 308, Sonderstempel Staffelstein

Adam Ries gilt als der Vater des Modernen Rechnens. Er hat mit seinen Werken entscheidend dazu beigetragen, dass die römische Zahlendarstellung als unhandlich erkannt und weitgehend durch die nach dem Stellenwertsystem strukturierten indisch-arabischen Zahlzeichen ersetzt wurde. Der Ausspruch „Das macht nach Adam Riese“ wird heute noch gebraucht, um die Richtigkeit eines Rechenergebnisses zu unterstreichen. 

Da die Schreibweise von Namen damals nicht so festgelegt war wie heute, sind als zeitgenössische Schreibweisen neben Ries auch Ris, Rise, Ryse und sogar Reyeß bekannt. Wobei – Riese ist möglicherweise eine deklinierte Form von Ries; im Deutschen nicht mehr üblich, in anderen europäischen Sprachen durchaus.

Liebe Sammlerfreunde, fällt euch / fällt ihnen etwas auf? Ein Stück Kartonphilatelie verdeutlicht es: Im Westen Deutschlands verwendet man weiter die Schreibweise Riese, im Osten der Republik konsequent Ries! Allerdings – ein Nachfahr des Geehrten namens Rudolf Rieß aus Nürnberg hat sich offensichtlich für die Schreibweise Ries entschieden, so zu sehen auf dem von ihm geschaffenen Holzschnitt. 


 

Abbildung 2: MiNr. 1612 auf Schmuckblatt

1984 wurde vom Kulturbund der DDR anlässlich der Eröffnung des Adam-Ries-Hauses in Annaberg eine Privatganzsache (O18 D2/001 /3/) aufgelegt. 


 

Abbildung 3: DDR-Privatganzsache 1984

1518 ging Ries nach Erfurt, wo er eine Rechenschule leitete, ein nur kurzes Intermezzo. 1522 zog es ihn in die junge, vom Silbererzbergbau geprägte Stadt Annaberg, in der er den Rest seines Lebens verbrachte. In der Johannisgasse eröffnete er eine private Rechenschule. Das Haus beherbergt heute das Adam-Ries-Museum.

Im Traubuch der Annaberger St.-Annen-Kirche wurde 1525 die Vermählung mit Anna Leuber vermerkt, einer Tochter des Freiberger Schlossermeisters Andreas Leuber. Sein Brot verdiente er zunächst als Rezessschreiber mit Abrechnungen für die einzelnen Erzgruben, später prüfte er als Gegenschreiber diese Abrechnungen und sorgte als Zehntner dafür, dass der Landesherr seinen Anteil am Gewinn erhielt. Ebenso wichtig: Im Auftrag der Stadt Annaberg erarbeitete Ries die sogenannte „Annaberger Brotordnung“ zum Schutz der Bevölkerung.

Mit seiner Frau Anna zeugte er mindestens acht Kinder. Die Nachkommen von Adam Ries sind Gegenstand ständiger, ausführlicher genealogischer Forschung. Noch heute lebt eine Vielzahl von Adam-Ries-Nachfahren im Obererzgebirge. Der Adam-Ries-Bund hat es sich zur Aufgabe gemacht, sämtliche Nachkommen von Adam Ries zu ermitteln und weist in seiner ständig aktualisierten Datenbank bislang mehr als 20000 direkte Nachkommen nach.


 

Abbildung 4: FDC, MiNr. 1612

Im Jahre 1992 beglückte die Deutsche Bundespost uns Sammler mit einer Sondermarke, welche das Motiv der Marke von 1959 in moderner Interpretation aufgriff, Auflage über 32 Millionen Stück. Dazu gab es nicht nur den Ersttagsstempel in Bonn, sondern auch einen gesonderten Stempel in Annaberg-Buchholz.   

Adam Ries starb 1559, die überlieferten Angaben differieren zwischen dem 30. März und dem 2. April.  Auch der genaue Sterbeort ist nicht bekannt, Annaberg oder Wiesa. 

 

Auf dem Köselitzplatz schräg gegenüber der katholischen Kirche von Annaberg steht die von Robert Henze 1893 geschaffene Adam-Ries-Büste, allerdings nicht das bronzene Original (dieses wurde 1943 eingeschmolzen), sondern eine zehn Jahre nach dem Kriege gefertigte Sandstein-Kopie (Abbildung 5), am ursprünglichen Aufstellungsort,  Ende der 70er Jahre abgebaut, im Jahre 1993 nach Vandalismusschäden erneuert und vor der Trinitatiskirche am alten Friedhof aufgestellt, steht sie heute vor dem Adam-Ries-Museum in der Johannisgasse /2/. 



Abbildung 6: Adam-Ries-Haus (Fotos: Arndt Göbel)

Doch zum Philatelistischen: Der SAMMLER-Express brachte in seiner ersten Februar-Ausgabe (Nummer 3/1959) einen sehr kritischen Text: 



Die im Artikel erwähnte bundesdeutsche Marke erschien in einer für Sondermarken damals üblichen Auflage von 20 Millionen Stück; so ist sie auch auf Bedarfspost nicht selten; sie ist für meine Begriffe grafisch durchaus ansprechend.

 


Abbildung 7: MiNr. 308 auf Stammkarte einer Briefmarken-Zeitung

Zu einer Briefmarken-Ausstellung ehrte die Stadt Annaberg ihrer großen „Sohn“ mit einem Zudruck auf Souvenirumschlägen. 



Abbildung 8: Umschlag zur 3. Erzgebirgsschau 1969

Weitere postalische Aktivitäten, beide dem 500. Geburtstag Adam Ries‘ gewidmet: 


Abbildung 9:  (links) Ganzsache P147, Zusatzfrankatur MiNr. 3345 (mit Reihenzähler) und anlassbezogener Maschinenwerbestempel aus Annaberg-Buchholz

Abbildung 10: (unten) Absenderfreistempel mit Adam-Ries-Motiv, daneben Wappen von Annaberg und Buchholz 



Passend zu diesem Beitrag empfehlen wir den Artikel zu "500 Jahre Annaberger KÄT"

/1/ https://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Ries

/2/ Auch für Philatelisten interessant: Adam-Ries-Museum, Johannisgasse 23, 09456 Annaberg-Buchholz;    

    täglich geöffnet außer montags – nur ein kurzes Stück Weg von der Tiefgarage unter dem Marktplatz

    entfernt und täglich außer montags geöffnet!

/3/ PRIVATGANZSACHEN KATALOG 2002, BAND 1 BERLIN/DDR, Berliner Ganzsachen-Sammler-

      Verein von 1901 e. V., Witten 2002