Ältester Briefmarkensammlerverein Deutschlands

500 Jahre Annaberger Kät

Annaberg–Buchholz ist eine Bergstadt im Erzgebirge unterhalb des Pöhlberges mit reicher Tradition. Heute hat sie unter den sächsischen Bergstädten die Ehre, die letzte der Bergparaden zur Adventszeit auszurichten. Um 1500 wurden ergiebige Silbererzlagerstätten entdeckt, die einen „Silber–Rausch“ auslösten, das sogenannte Berggeschrey. Tausende Wagemutige, Handwerker, Abenteurer u.a. zog es in die damals dicht bewaldete Gegend, deren Holz bald in den Bergwerken und Erzhütten verschwand. Der sächsische Kurfürst, erfreut über sich ankündigenden sagenhaften Reichtum, ließ 1498 und 1505 gleich zwei Münzstätten gründen, die befugt waren, Silberthaler zu prägen - in Annaberg und Buchholz. Die beiden eng benachbarten Städte wurden erst 1945 durch die sowjetische Kommandantur vereinigt. Poststempel gibt es also von zwei unabhängigen Städten zu dokumentieren:

 

 Abbildung 1: Vorphilabrief 1848 mit Einkreisstempel von Annaberg nach Mittweida

 

Abbildung 2: Brief  (Einzelfrankatur DR Mi.-Nr. 2) mit Rechteckstempel "Buchholz" vom 06.08.1872

 

Abbildung 3: Postkarte mit Rechteckstempel "Annaberg" von 1874

 

Während der Buchholzer und der Annaberger Rechteckstempel (Abb. 2+3) noch „In Sachsen“ ausweisen, wird später der Zusatz „Erzgebirge“ aufgenommen, so ersichtlich im Einkreisstempel der Auslandspostkarte nach Stockholm (Abb. 4).

 

Abbildung 4: Auslandspostkarte vom 19.06.1888 nach Stockholm

 

1522 zog es Adam Ries nach Annaberg. Der 1492 in Staffelstein geborene Gelehrte (Michel Bund Michel 308) begründete mit seinen Lehrbüchern den Übergang vom römischen zum arabischen Ziffernsystem. Das dankt man ihm noch heute, wenn man nach einer gelungenen Rechenoperation die Redewendung „nach Adam Riese“ anfügt (Bund Michel 1612). Im sächsischen Raum fehlt dabei am Ende immer das „E“, nicht aufgrund des gemütlichen Dialekts, sondern auf der einzig überlieferten Bilddarstellung, wo sein Name so aufgezeichnet ist (Abb. 5). 

 

Abbildung 5: Postkarte vom 30.03.1959 mit Sonderstempel "400. Todestag Adam Ries" 

 

Der Rechenmeister startete in Annaberg mit einer privaten Rechenschule (heute ein Museum) und schrieb sein erstes Lehrbuch über das Rechnen an Rechenbrettern für Kinder. Er schrieb nicht in Latein, sondern in Deutsch, was ungewöhnlich und aufgrund des Erfolgs seiner Bücher auch ein wesentlicher Beitrag zur Vereinheitlichung der deutschen Sprache war, deren Verschiedenheit der Dialekte man sich im Vor-Eisenbahn- Zeitalter heute gar nicht mehr vorstellen kann. Rasch berief man Ries in die Bergverwaltung, wo er die Abrechnungen der Erzgruben zu prüfen hatte.

Es war damals viel los unterhalb des Pöhlberges. Mit ca. 8000 Einwohnern zählte Annaberg Anfang des 16. Jh. zu den bevölkerungsreichsten Städten Deutschlands! Doch das ist lang Geschichte, 1990 lebten in der Doppelstadt 26.000 Einwohner und deren Zahl ist seit der Wende wie in vielen sächsischen Städten um 20% zurückgegangen.

Immer noch viel los ist jedes Jahr ab dem zweiten Samstag nach Pfingsten. Die Annaberger Kät lockt als größtes Volksfest des Erzgebirges viele tausend Besucher. Die Kät geht auf eine Wallfahrt aus dem Jahr 1519 zurück, wo im damals noch katholischen Annaberg ein Friedhof der Trinitatiskirche geweiht wurde. Das Sakrale trat bald in den Hintergrund. Insbesondere mit dem Aufschwung der Textilindustrie im 19. Jahrhundert wuchs auch die Anzahl der Schausteller, Jahrmarktssensationen und Karusselle. Für die Erzgebirgler war das Volksfest oft neben der Weihnachtszeit der Jahreshöhepunkt im harten Alltag. Viele fleißige Hände schufen viel, insbesondere arbeiteten viele Kinder und noch mehr Frauen in der im Verlagswesen organisierten Textilindustrie. Spitzen, Borten und Posamente (Abb. 6) wurden mit Gewinn in alle Welt exportiert; die Vereinigten Staaten von Amerika unterhielten bis 1908 deswegen sogar ein Konsulat in Annaberg. Bei den Arbeitern vor Ort aber blieben die Einkünfte gering, ein Umstand, an dem sich bis heute leider wenig geändert hat. Gefeiert wird deshalb um so lieber ... 

 

Abbildung 6: Kleinbogen der DDR (Michel-Nr. 3215-3220)

 

Aber woher kommt denn nun dieser eigenartige Name Kät?

So genau vermag das heute keiner mehr zu sagen: Der berühmte sächsische Dialekt hat entweder die „Dreieinigkat“ der Trinität oder die Schutzpatronin von Buchholz, die heilige Katharina, so verkürzt, dass man bei Kät anlangte. Der Erzgebirgler macht halt Großes gerne klein und von sich selbst bescheiden auch nicht viel Aufhebens – denken sie einfach an den mehrfachen Skisprung–Olympiasieger Jens Weißflog.

Die Kät selbst lässt sich mit einem Sonderstempel philatelistisch dokumentieren, der mit wechselnden Datums- und Jahresangaben mittig und unten im Stempel zentral den Schriftzug trägt „Die KÄT das größte Volksfest im Erzgebirge“ (Abb. 7). Den Stempel gibt es mehrfach in verschiedenen Durchmessern.

 

Abbildung 7: Wirtschaftsdrucksache mit DDR Michel -Nr. 579 vom 19.4.1961

 

Da die Region Erzgebirge bis auf Bund Michel 1743 bislang nicht - und dort motivgleich eher fehldargestellt wurde - und auch keinen Eingang in die Bund–Weihnachtsmarken seit 1991 gefunden hat, ist die nunmehrige Würdigung des Geburtstags der Kät und der Bergstadt Annaberg–Buchholz mit einer angekündigten Markenedition in 2020 umso begrüßenswerter.

Passend zu diesem Beitrag empfehlen wir den Artikel: "Macht nach Adam Riese ..."