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Die Carolabrücke

Die zwei Sandsteinplastiken am Rathenauplatz symbolisieren die „Ruhende“ und die „Bewegte“ Elbe. Die vom Dresdner Bildhauer Friedrich Offermann geschaffenen Skulpturen zeigen den griechischen Meeresgott Triton bei der Jagd über die Wellen und die Nymphe Nereide, die über ruhiges Wasser reitet. Die beiden Plastiken gehören zu den wenigen erhalten gebliebenen Kunstwerken der 1945 von der SS zerstörten Brücke...

Der zunehmende Verkehr infolge der Industrialisierung am Ende des 19. Jahrhunderts erforderte eine weitere Elbquerung. Nach den Plänen des Stadtbaurats Hermann Klette (dazu Abbildung 1) begann 1892 der Bau der vierten innerstädtischen Elbbrücke. An der Konstruktion war auch Claus Köpcke beteiligt, der zuvor das „Baue Wunder“ errichtet hatte. Den Bedürfnissen der Schifffahrt Rechnung tragend sollte die Brücke möglichst wenige Strompfeiler besitzen und durch eine schlanke Ausführung auch weiterhin zu einem gefälligen Blick auf die historische Altstadt beitragen.



Abbildung 1: Behördenbrief mit Zustellurkunde des Amtsgerichts Luckenwalde (Preußen) vom 17.10.1908  an Herrn Oberbaurat (Hermann) Klette in Dresden


Nach knapp 3 Jahren Bauzeit fand die Einweihung der Brücke am 6. Juli 1895 in Anwesenheit der königlichen Familie statt. Benannt wurde die Brücke nach der Gemahlin von König Albert – Königin Carola von Wasa-Holstein-Gottorp (Abbildung 2).




Abbildung 2: Vorder- und Rückseite einer Privatganzsache Deutsches Reich mit der königlichen Familie; im Zentrum Königin Carola mit ihrem Gatten König Albert


Die 340 Meter lange Brücke überspannte auf zwei Strompfeilern liegend mit drei flachen eisernen Bögen die Elbe. Die landseitige Straßenanbindung erfolgte durch zwei bzw. vier gemauerte Gewölbebögen. Neben den Fahrbahnen und Gehwegen führten auch zwei Straßenbahngleise über die Brücke, die mit mehreren Kunstwerken verziert war.


Gebräuchlicher Name

Carolabrücke

Amtlicher Name 1. Brücke      

1892-1945: Königin-Carola-Brücke (Abbildung 3)

Baubeginn

1892

Eröffnung

06.07.1895

Bauzeit   

2 Jahre und 11 Monate

Bauart

kombinierte Stein- und Stahlbogenbrücke

Länge und Breite   

340 m x  13 m


Am Abend des 7. Mai 1945, wenige Stunden vor Kriegsende, sprengte die Waffen-SS vier Bögen der Carolabrücke. Die Zerstörungen waren so massiv, dass ein Wiederaufbau vorerst nicht vorgesehen war. Gleichwohl wurden die noch stehenden Pfeiler und Bögen 1947 in Dr.-Rudolf-Friedrichs-Brücke (nach dem 2. Weltkrieg erster Dresdner Oberbürgermeister und Sächsischer Ministerpräsident) umbenannt. 1952 wurden die restlichen noch erhalten gebliebenen Bögen gesprengt und die Trümmer geborgen. Lediglich die Strompfeiler blieben in der Elbe stehen. Neben den eingangs erwähnten Plastiken ist auch die mehr als zwei Meter hohe bronzene Brückentafel erhalten geblieben. Sie kann heute im Stadtmuseum besichtigt werden. 



Abbildung 3: Amtliche Ganzsache Deutsches Reich mit privaten Zudruck vom Verband Deutscher Müller; horizontale Elbansicht mit Königin-Carola-Brücke


Mitte der sechziger Jahre erfolgte die Ausschreibung für eine neue Brücke. Sie sollte Teil einer großzügig ausgebauten vierspurigen Nord-Süd-Trasse werden. Sieger der Ausschreibung waren die Ingenieure Spoelgen und Thürmer vom Projektierungsbüro Straßenwesen Dresden. Wie schon bei der ersten Brücke wurde eine flache Ausführung  mit wenigen Hindernissen für die Schifffahrt gefordert. Realisiert wurde das architektonisch anspruchsvolle Projekt durch eine Spannbetonhohlkastenbrücke mit drei getrennten Überzügen. Einer für den Fußweg und die Straßenbahn und jeweils einer für die beiden zweispurigen Richtungsfahrbahnen. Der 1967 begonnene Bau konnte am 10. Juni 1971 als Dr.-Rudolf-Friedrichs-Brücke für den Verkehr freigegeben werden. Die Freigabe erfolgte kurz vor Beginn des VIII. Parteitages der SED (Abbildung 4) und wurde dementsprechend als Errungenschaft des Sozialismus gefeiert.

Mit lediglich einem Strompfeiler nahe dem rechten Elbufer überspannt die Brücke mit einer Stützweite von 120 Metern die Elbe. Das war die längste Stützweite einer Spannbetonbrücke in der DDR. Um eine unterschiedliche Durchbiegung der drei Überbauten zu verhindern und Vibrationen zu vermeiden wurden die Überbauten durch Querträger miteinander verbunden. Zukunftsweisend war auch, dass bei dem Bauwerk Einflüsse durch starke Sonneneinstrahlung und durchgehende Fernwärmeleitungen erstmals in den Berechnungen berücksichtigt wurden.



Abbildung 5: DDR-Privatganzsache mit der Dr.-Rudolf-Friedrichs-Brücke


Die Carolabrücke ist eine der verkehrsreichsten Brücken der Stadt. Über sie führt die Bundesstraße 170. In 2003 fuhren täglich 53.000 Fahrzeuge über die Brücke. Mit der Fertigstellung der Waldschlösschenbrücke und der A17 ist die Anzahl der Fahrzeuge jedoch zurückgegangen. Ungeachtet dessen ist sie nach wie vor eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen der Stadt. Nicht zuletzt wird das momentan sichtbar durch die langen Staus infolge der Sanierung, die im letzten Jahr begonnen hat und die nach den aktuellen Planungen noch bis 2024 andauern wird.

Die wichtigsten Daten der „neuen“ Carolabrücke im Überblick:


Gebräuchlicher Name

Carolabrücke

Amtlicher Name 2. Brücke  


1971-1991: Dr.-Rudolf-Friedrichs-Brücke   

seit 1991:    Carolabrücke

Baubeginn

18.05.1967

Eröffnung

04.07.1971

Bauzeit   

4 Jahre 1 Monat und 17 Tage   

Bauart

Spannbetonhohlkastenbrücke

Länge und Breite   

375 m x  32 m



Abbildung 6: Vorder- und Rückseite einer Privatganzsache Deutsches Reich; Blick auf die Brühlsche Terrasse, die (links unten) von der Carolabrücke abgeschlossen wird.