Ältester Briefmarkensammlerverein Deutschlands


140. Geburtstag Felix Graf von Luckner, der Pirat aus Dresden

…wurde am 9. Juni 1881 geboren. Ein Grund, seinen 140. Geburtstag zu feiern?

Der Mann war zu Lebzeiten eine Legende, im kaiserlichen Deutschland im I. Weltkrieg, in den USA, aber auch zur Nazizeit – er war der Seeteufel.

Felix war ein Nachfahre des französischen Marschalls Nikolaus von Luckner, ein erfolgreicher Heerführer der französischen Revolution ab 1789. Ein dichtender Kamerad widmete diesem Mann die Marseillaise – nachfolgend die Nationalhymne links des Rheins!

Felix wuchs in Dresden-Pennrich auf und war alles andere als ein begabter Schüler:

„Ich hatte Probleme, Prüfungen zu bestehen und habe mehr Schulen als Klassen besucht. Und ich hatte es satt, dauernd zu versprechen, dass ich lernen würde. Ich wollte keine Zeit mehr verlieren.“

von Luckner 1959

Deshalb riss er mit 16 aus Dresden aus, fuhr nach Hamburg …

 

 

Zeitungsschleife „Hamburg“ mit DR 84 II

und heuerte auf mehreren Schiffen an und fährt auf allen Weltmeeren. Er arbeitet als Hotelboy, Preisboxer, Leuchtturmgehilfe … eine seemänische Ausbildung wie auf dem 1909 gebauten Schulschiff der Handelsmarine „Prinz Eitel Friedrich“ hat er nie gesehen.


 

Einschreibebrief Schulschiff-Verein „Elsfleth“ mit DR 105 in MiF

Neun Jahre später erst kommt er zurück. Der Vater meint, wenn er unter den Umständen überlebt habe, sei er doch ein „echter Luckner.“ Die Verwandtschaft, ein Onkel ist Admiral, organisiert ihm ein Kapitänspatent, die Prüfung dazu hätte er wohl nicht bestanden, s.o.

Den Ausbruch des I. Weltkriegs erlebt er als Mitglied der kaiserlichen Marine …

 

 

Marine-Feldpost AK mit SMS Scharnhorst, unten rs Stempel



Er nimmt an der Seeschlacht am Skagerrak teil und wiederum durch Beziehungen, die er talentiert aufbauen kann, erhält er nun einen Befehl über die „Seeadler.“ Was nun in sieben Monaten folgt reicht für ein halbes Jahrhundert an Erzählungen, wenn man Luckner heißt, eine Gabe hat, die Menschen für sich einzunehmen, ja zu faszinieren.

 

 

… von Luckner in Marineuniform, das Pour le Merite am Halsband, bereits zu Lebzeiten wurde bezweifelt, dass die zahlreichen weiteren Orden tatsächlich „verdient“ waren, Karte mit Original-Autograph!

Luckner war ein Draufgänger und als solcher war mit der „Seeadler“ und dem Kaper-Kommando in seinem Element.



Ganzsache zum 125. Geburtstag Felix Graf von Luckner mit Sonderstempel und dem "Seeadler"

Nachdem er die englische See-Blockade umschifft hatte, brachte er im Atlantik nacheinander zwölf gegnerische Handelsschiffe auf, internierte getreu dem seerechtlichen Kriegsregeln deren Besatzung und versenkte dann die aufgebrachten Schiffe; echte Piraterie eben. Solange diese durch einen Befehl einer Staatsmacht gedeckt ist (hier Deutschland) und die Kaperregeln eingehalten werden, sind das keine Straftaten, sondern erwünschte militärische Aktionen! Man betrachte nur den Lebenslauf von Francis Drake aus früherer Zeit, der unzählige spanische Goldtransporte abfing, ja raubte -  er wurde von der Königin dafür geadelt, dazu POSTFRISCH 1/21, S. 32,33.

Als von Luckner keinen Platz mehr für Gefangene hatte, überließ er ihnen das zuletzt gekaperte Schiff. Damit liefen die Besatzungen den neutralen Hafen Rio de Janeiro an und die Geschichte der erfolgreichen Kaperfahrt und die überaus korrekte, ja freundliche Behandlung der Besatzungen durch den deutschen Kapitän ging durch alle Medien.

Von Luckner wusste daraufhin die englische Flotte hinter sich und setzte sich in den Pazifik ab. Durch etwas Pech und vielleicht auch Unvermögen lief die „Seeadler“ auf ein Riff bei Tahiti auf und brannte dann noch aus. Der Kapitän ruderte daraufhin mit nur vier Mann in nur 28 Tagen 2.300 Seemeilen = 4.000 km, um Hilfe zu holen, eine beachtliche seemännische Leistung …

Er wurde gleichwohl von den Engändern gefasst, interniert, unternimmt Ausbruchsversuche … und kehrt 1919 aus der Kriegsgefangenschaft zurück.

Nun beginnt seine zweite Karriere, als er merkt, wie er Zuhörer mit seiner Geschichte fesseln kann und wie er sein Talent als Selbstdarsteller auslebt. Er vermarktet sich erfolgreich, fährt 1926 mit dem Großsegler „Vaterland“ in die USA, wo er mit Vorträgen riesigen Erfolg hat und doch wirtschaftliche Probleme bekommt. Aus diesen helfen ihn später die Nazis hinweg; 1937 fährt er in deren Propagandaauftrag mit einem kleineren Schiff erneut auf Vortragsreise; das Schiff ist nach ihm benannt, „Seeteufel.“

Im November 1937 erschien die neunteilige Markenausgabe zum Winterhilfswerk mit Schiffsmotiven, Entwurf Axster-Heudtlass, um die Weltgeltung Deutschlands auch zur See zu betonen, hier DR Michel 654,655 und 659 in MiF.



Portogerechter R-/Eilbotenbrief zu 94 Pf; eine seltene Portostufe plus rotem Propagandastempel zur Reichstagswahl 1938


 

DR Michel 653, ein Tag nach Ersttag, sehr seltene Verwendung portogerecht als Auslands-Drucksache, hier in die USA, durch die von Luckner bei Vortragsreisen öfter tourte

Nun gibt es Probleme: Felix Graf von Luckner ist ein Mann, der sich zwar den Nazis andient, aber sich nicht unterordnet, er ist ein Münchhausen-Typ, wohl auch mit dem Münchhausen-Syndrom der zwanghaften Überspitzung und Selbstüberhöhung. Das kommt nicht gut an, seine Ausgaben werden hinterfragt und dann werden ihm noch andere Dinge zum Verhängnis.

Er ist Freimaurer und er unterhält mehr als väterliche Beziehungen zu seiner Stieftochter und an einem kleinen Mädchen. Das sind gleich drei Gründe, um gerichtlich oder schlimmer belangt zu werden. Das „schlimmer“ bedeutet im Nazibereich Sonderbehandlung bzw. Einweisung in ein KL.

Von Luckner muss aber nur von der Bildfläche abtreten (Für ihn sicher die Höchststrafe); sein Renommee und der bei einer Verurteilung dem Regime selbst drohende Image-Schaden bewahrt ihn vor einer wohl anstehenden Strafverfolgung.

1945 spielt er aufgrund seiner Popularität dann erneut eine große Rolle; Bürger der Stadt Halle bitte ihn, die Stadt den anrückenden US-Truppen zu übergeben. Er willigt ein, die Nazis erklären ihn dafür im Rundfunk für vogelfrei … Ein US-Offizier erkennt von Luckner in der anrückenden Kapitulationsabordnung, man feiert unter Offizieren eine große Party mit viel Whisky und vergisst dabei, die Stadt von der Einwilligung zur Kapitulation zu informieren … von Luckner dachte halt in erster Linie erstmal an sich, dann … an sich … und dann … an sich!

Das half ihm auch nach dem Krieg, wo er weiterhin erfolgreich mit Vorträgen durch die Bundesrepublik im Wohnmobil tourte; auch in den USA trat er in Fernsehshows auf und beeindruckte das Publikum, wenn er mit bloßen Händen Telefonbücher zerriss. Ein echter Luckner eben!

Auch ein echter Dresdner; seine Mutter lebte hier und es gibt zahlreiche Korrespondenz mit ihr, wo Teile auch schon bei der Dresdner Briefmarkenauktion zur Versteigerung kamen. Er starb 1966, sein Begräbnis in Hamburg wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung begangen. Ob seine Vita ein Grund ist, ihn zu feiern, ist heute fraglich, doch erinnern darf man sich an ihn natürlich gern. Ein wirklicher Pirat aus Dresden …

Heute kennen vor allem junge Dresdner kaum noch seinen Namen.

Die schwäbische Hotelier- und Bauunternehmerfamilie Kimmerle hat das Restaurant ihres KIM-Hotels in Dresden nach ihm benannt. Und sie hat vor einigen wenigen Jahren auf der Kesselsdorfer Straße ein Restaurant mit seinen Namen betrieben, das „Luckners.“

Als ich mit Bekannten dort mal zugegen war und die abenteuerliche Lebensgeschichte des Seeteufels ansprach, waren sie ganz erstaunt, das hatten sie noch nicht gehört. Es ist doch schade, wenn die Abenteuer unserer Vorväter im Orkus der Geschichte landen, vergessen werden… Doch neue Abenteuer warten schon …

Dr. Axel Eska