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Die Flügelwegbrücke

Den Beschluss des Stadtrates zum Bau der siebenten Dresdner Elbbrücke kommentierten Die Dresdner Neuesten Nachrichten unter der Überschrift „Die Brücke ins Leere“. Damit war Kaditz gemeint, dass Ende der zwanziger Jahre sehr dünn besiedelt war. Aus heutiger Sicht war die damalige Entscheidung der Stadträte weitsichtig und zukunftsweisend.

Erste Überlegungen für eine Elbquerung im Dresdner Westen gab es bereits Anfangs des 20. Jahrhunderts.  Konkrete Planungen wurden aber durch den 1. Weltkrieg unterbrochen. Die Stadt hatte Ende der zwanziger Jahre in Kaditz mehrere Flächen erworben um dort weitere Industriebetriebe anzusiedeln. Dadurch rückte die Notwendigkeit einer neuen Brücke wieder in den Fokus der Stadtplaner um die dichtbesiedelten Stadtteile Löbtau, Cotta und Friedrichstadt sowie den Alberthafen mit den neu zu erschließenden Gewerbegebieten zu verbinden und die Brücken in der Innenstadt zu entlasten. Neben einer Fahrbahn sollte die Brücke auch als Überführung einer neuen Schnellbahnlinie dienen, die zwischen Meißen und Pirna geplant war. Außerdem sollte die Konstruktion so ausgelegt werden, dass sie im Bedarfsfall mit zusätzlichen Fahrbahnen erweitert werden konnte.  Reichsbahnrat Heinrich Koch und Stadtbaurat Paul Wolf entschieden sich unter Mitwirkung von Prof. Kurt Beyer von der Technischen Hochschule für eine moderne Blechträgerbrücke. Besondere Herausforderung war dabei die zu überwindende Stromöffnung mit einer Länge von 115 m. Die im Mai 1929 begonnenen Arbeiten wurden von einer Arbeitsgemeinschaft ausgeführt, der 4 Firmen angehörten. Die Stahlüberbauten führten die Mitteldeutschen Stahlwerke in Lauchhammer aus (Abbildung 1). Dabei wurden 2.600 Tonnen Stahl und 150.000 Nieten verwendet. Die Brücke wurde nach 16 Monaten Bauzeit pünktlich am 1. Oktober 1930 als „Kaditzer Brücke“ vom Oberbürgermeister eingeweiht und war seinerzeit die längste Blechträgerbrücke Europas.



Abbildung 1: Absenderfreistempel der Mitteldeutschen Stahlwerke



Abbildung 2: Ansichtskarte (Ausschnitt) der Kaditzer Brücke im Bau


Die Bombardierungen Dresdens im Februar 1945 hinterließen auf der Brücke nur geringe Schäden, so dass sie ohne Unterbrechung weiter genutzt werden konnte. Die Schäden wurden nach dem Krieg schnell repariert. Steigender Verkehr und mangelnde Wartung führten in der Folgezeit zu einem sehr starken Verschleiß der Brücke.  1994 beschloss der Rat der Stadt Dresden, dass die Brücke in „Rudolf-Renner-Brücke“ umbenannt wird. Anlass dazu war der 90. Geburtstag des KPD-Funktionärs (Abbildung 3), der viele Jahre in Dresden wirkte, 1933 verhaftet wurde und 1940 im KZ Buchenwald ums Leben kam. Der neue Name fand jedoch kaum Verwendung. Kurz nach der Wende wurde der schon seit Langem umgangssprachlich verwendete Name „Flügelwegbrücke“ zum  offiziellen Namen erklärt. Durch die Ansiedlung mehrerer Firmen in Kaditz (z. Bsp. Siemens-Technologiepark, Metro, Elbepark) nahm der Verkehr, insbesondere der Schwerlastverkehr, in den neunziger Jahren stark zu.


Gebräuchlicher Name

Flügelwegbrücke

Amtlicher Name 1. Brücke

1930-1984: Kaditzer Brücke

1984-1991: Rudolf-Renner-Brücke

seit 1991: Flügelwegbrücke

Baubeginn

22.05.1929

Eröffnung

01.10.1930

Bauzeit   

1 Jahr 4 Monate und 10 Tage

Bauart

Blechträgerbalkenbrücke

Länge und Breite   

285 m x 17 m


Mehrere Gutachten stellten fest, dass sich die Brücke in einem besorgniserregenden Zustand befand. Unter Abwägung aller Umstände entschied man sich für einen Neubau.

Grundvoraussetzung für den Neubau war, dass während der Bauzeit mindestens drei Fahrspuren ständig für den laufenden Verkehr zur Verfügung stehen. Deshalb entschloss man sich zum Bau von zwei Brücken mit je drei Fahrbahnen. Die Ausführung übernahm eine Arbeitsgemeinschaft aus der Donges Stahlbau GmbH und der Herrmann Kirchner GmbH & Co. KG. Zunächst wurde der östliche Brückenteil auf provisorischen Pfeilern hergestellt. Der Bau begann am 28.05.2001 und bereits im August 2002 konnte der erste Teil für den Verkehr freigegeben werden. Danach wurde die alte Brücke abgebrochen und die neuen Pfeiler auf den verstärkten Fundamenten der alten Pfeiler errichtet. Nach Fertigstellung des zweiten Teils wurde der erste Teil um neun Meter in seine endgültige Position verschoben. Die Gesamtfreigabe erfolgte pünktlich wie geplant am 30.09.2004.

In den Jahren 2015 und 2016 war die Flügelwegbrücke mit täglich 44.400 bzw. 45.900 Fahrzeugen die am stärksten frequentierte Dresdner Elbbrücke.


Amtlicher Name 2. Brücke

Flügelwegbrücke

Baubeginn

28.05.2001

Eröffnung

30.09.2004

Bauzeit   

3 Jahre 4 Monate und 3 Tage

Bauart

Stahlverbundbrücke

Länge und Breite   

285 m x 31 m

   


Abbildung 4: Foto der neuen Flügelwegbrücke (2019)